Das Kanalnetz in Deutschland weist einen hohen Sanierungsbedarf auf. Damit rückt die Reduktion von Treibhausgasemissionen auch in der Sanierungsplanung zunehmend in den Fokus. Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer ökobilanzbasierten Methodik zur abschätzenden Bewertung des Treibhauspotenzials von Kanalsanierungsverfahren. Dafür integriert sie verfahrensspezifische CO2e-Faktoren als skalierbare Kennwerte für strategische Planungsprozesse. Die Methodik wurde iterativ entwickelt, auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Literatur zur sektorübergreifenden Entwicklung von Emissionsfaktoren und der Bilanzierung realer Sanierungsmaßnahmen. Sie sieht die Bilanzierung repräsentativer Sanierungsmaßnahmen gemäß DIN EN ISO 14040/44 vor, wobei Leistungsverzeichnisse als Primärdaten in eine modular strukturierte Sachbilanz überführt werden. Die modulspezifischen Emissionen (in kg CO2e/m sanierter Kanal) werden abhängig von ihrem Beitrag zum Gesamttreibhauspotenzial und dessen Korrelation mit der Nennweite differenziert in CO2e-Faktoren überführt: (A) rein nennweitenabhängig, (B) mit zusätzlichen Parametern oder (C) als pauschale Durchschnittswerte. Die resultierenden Faktoren können aggregiert und über die Sanierungslänge skaliert werden. Die Anwendbarkeit der Methodik wurde anhand von sieben Sanierungsmaßnahmen der Berliner Wasserbetriebe demonstriert: fünf Maßnahmen zur Erneuerung in offener Bauweise sowie je eine zur geschlossenen Bauweise mit Pipe Eating und zur Renovierung mittels Schlauchlining. Die Bilanzierung erfolgte mithilfe eines erweiterten Tools zur Modellierung von Scope-3-Emissionen im Kanalbau. Für die offene Bauweise konnten Skalierungszusammenhänge zur Ableitung von CO2e-Faktoren analysiert werden: Für die Haupttreiber Rohre, Verbau und Boden zeigte sich eine gute Skalierbarkeit über die Nennweite, während bei Straßenarbeiten zusätzliche Parameter des Straßenaufbaus berücksichtigt werden mussten. Die Emissionen der Schachtsanierung erwiesen sich als nicht-skalierbare Einzelgröße und wurden, genauso wie die emissionsärmeren Nebenmodule, als pauschaler Durchschnittswert erfasst. Beim Schlauchlining ermöglichte die Nutzung einer Umweltproduktdeklaration eine kontinuierliche Skalierung der Emissionen in Abhängigkeit vom Materialbedarf bzw. der Nennweite. Die entwickelte Methodik bietet einen praxistauglichen Ansatz zur Abschätzung von Klimawirkungen verschiedener Sanierungsstrategien. Durch Erweiterung der Datengrundlage kann sie perspektivisch belastbare CO2e-Faktoren hervorbringen. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zur Integration ökologischer Kriterien in die strategische Sanierungsplanung.